Chronik - Der Neubeginn 1950 bis 1969

Der Neubeginn 1950 bis 1969

Das herkömmliche Freischießen führt vom 17. mit 24. Juli 1949 wieder der Stadtrat als "Volksfest" mit Kinderfest und Trachtenzug durch. An dem Kindertag nehmen an die 7.000 Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet teil.

Am 15. Dezember 1949 wird die „Priv. Scharfschützengesellschaft“ wieder unter ihrem alten Namen in das Vereinsregister eingetragen.

Der Verein bemüht sich in der Übergangszeit redlich um die Ordnung der Finanzen. Durch zwei freiwillige Sammlungen unter den Mitgliedern wird der Betrag von 2.265 Mark aufgebracht. Weiter stiftet Fabrikant Konrad Wagner zur Förderung des guten Zweckes gesondert 1.000 Mark.

1950zeitungsanzeige schuetzenfestVom 15. bis 23. Juli 1950, ist die Schützengesellschaft nach einer Pause von zehn Jahren erstmals wieder in der Lage, das traditionelle Schützenfest aus eigener Kraft durchzuführen. Aus diesem Anlass und auch zum „140jährigen Bestehens“ der Schützengesellschaft wird ein „Freischießen Büchlein“ zum Preis von 25 Pfennigen angeboten. Auf dem Festplatz gibt es alles was das Herz begehrt: Kettenflieger, Geisterbahn, Urwald-Tropenschau, Schichtl-Theater, Lindners-Autobahn aber auch der Genuss kommt nicht zu kurz, bei Laugenbrez´n, Lebkuchenherzen, Kokosflocken, gebrannten Mandeln, türkischem Honig, Bärendreck und der Herings-Braterei. Nachdem Udo Krauss gesundheitshalber sein Amt als erster Schützenmeister niederlegen muss und er aus diesem Grund zum Ehrenschützenmeister ernannt wird, übernimmt die Nachfolge Gaswerksdirektor Willy Peter. Im Archiv liegen Baupläne aus diesem Jahr, die eine Erweiterung des Schützenhaus Altbaus vorsahen, welche allerdings nicht verwirklicht wurden.

Das Schützenfest 1951 wird zusammen mit der Ausstellung „Schaffen am Obermain“ durchgeführt. Man spricht von der wohl bedeutendsten und schönsten Großveranstaltung der Stadt Lichtenfels. Als Ehrengäste werden der bayerische Wirtschaftsminister Dr. Seidel und Bundesjustizminister Dr. Thomas Dehler begrüßt. Da das Schützenfest notgedrungen durch die Großveranstaltung eingeengt ist (Ausstellung im Schützenhaus, Modenschauen der Lichtenfelser Ausstellerfirmen), soll als Ersatz die Lichtenfelser Bevölkerung nach dem Fest durch ein Konzert der „Bamberger Symphoniker“ erfreut werden. Gleichzeitig zum Brillant-Feuerwerk wird Schloss Banz beleuchtet. Beim Abschießen im Herbst ist zum ersten Mal eine Damenscheibe aufgestellt, die sehr viele Damen auf den Schießstand lockt.


Am 17. Februar 1952 versammeln sich im Schützenhaus Lichtenfels die Vertreter von 12 Schützengesellschaften aus den Landkreisen Coburg, Kronach, Lichtenfels und Staffelstein und den kreiseigenen Städten Coburg, Neustadt bei Coburg und Rodach, zur Gründungsversammlung des  Schützengau Nord. Willi Peter 1. Schützenmeister der Gesellschaft wird stellvertretender Gauschützenmeister.

1952schuetzenfest gruppenaufnahmeDer Höhepunkt des Schützenjahres 1953 ist der Kinder- und Trachtenzug anlässlich des Schützen- und Volksfestes. Unter der Überschrift: „Lichtenfels sah noch nie etwas Gleichartiges“ berichtet das Lichtenfelser Tagblatt: „…bemerkenswert sind besonders die historischen Gruppen mit den wertvollen Trachten, die zum Teil dem Coburger Landestheater entliehen sind…“ 

Zwei Ereignisse des Jahres 1954 sind besonders zu bemerken:

Obwohl nach dem Krieg der Name „Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft“ verpönt war, legt das Innenministerium Wert darauf, dass die alten Namen wieder zu Ehren kommen. Um die Privilegien wieder zu erhalten, ist es nötig die alte Satzung von 1868 wieder einzuführen. Die Wiedereinführung schließt die Bestellung eines Schützenkommissars in der Person des jeweiligen „Bezirksamtmanns“ ein. Die Eintragung als Verein beim Registergericht kann gelöscht werden. Die Generalversammlung vom 9.11.1954 beschließt, die alte Schützenordnung anzunehmen, aber auch die bisherige Vereinssatzung wird beibehalten. Man sieht darin keinen Widerspruch zur Traditionsatzung.

Als zweites Ereignis sind die Renovierungsarbeiten zu bemerken. Durch den Einbau einer Bühne (7m weit, 4m hoch) gewinnt die Stadt einen neuen „Theatersaal“, den das „Fränkische Theater“ in der kommenden Sommerzeit zu den Gastspielen im Rahmen des Volksbühnen-Vereins Lichtenfels benutzen wird. Der Saal kann vom Vorsaal durch eine neue „Harmonika-Tür“ abgeteilt werden, ebenso werden sämtliche Fenster erneuert. In der Decke des Vorsaals werden 13 neue Balken gezogen, so dass die Balustrade – bisher wegen Baufälligkeit gesperrt – wieder verwendet werden kann. Zwischen Vorsaal und den Schießständen entsteht ein Clubzimmer, ebenfalls durch eine „Harmonika-Tür“ vom Vorsaal abteilbar. Eine Bar wird eingebaut, die Garderobe wird in das Zimmer rechts vom Haupteingang verlegt. Eine Bar wird eingebaut, die Garderobe wird in das Zimmer rechts vom Haupteingang verlegt. Die Küche wird modernisiert (Kühlanlage), sie erhält einen eigenen Eingang vom Hof her. Die sanitären Anlagen werden in Ordnung gebracht. Wegen dieser wesentlichen Baumaßnahmen findet die Preisverteilung für das Winterschießen an einem „Sommernachtsabend“ in der Karolinenhöhe statt. Doch ist das Schützenhaus zum Hauptschießen rechtzeitig renoviert.

Zum Schützenfest 1955 wird erstmals nach dem 2. Weltkrieg wieder das Kleinkaliberschießen auf 50 m in das Programm zum Hauptschießen aufgenommen.

Im Februar 1956 wird Willy Krautheim einstimmig zum 1. Schützenmeister gewählt. Der Schützenhaussaal erhält einen neuen Parkettboden und die Bar eine neue Einrichtung.

1958 In einer Regierungserklärung vom 16.12.1957 verlangt die Regierung von Oberfranken, dass durch eine Satzungsänderung der Name „privilegiert“ entfallen muss. Die Mitglieder der Generalversammlung vom 8.3.1958 sind im Hinblick auf die stolze Tradition der Gesellschaft nicht geneigt, dieser Aufforderung nachzukommen. Man ist der Meinung, dass durch den Zusatz „e.V.“ deutlich wird, ein im Register eingetragener Verein zu sein. Dieser Meinung scheint auch das Amtsgericht Lichtenfels zu sein, das bisher den Namen „Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels e.V.“ nie beanstandet hatte. Der Regierung von Oberfranken wird dieser Entschluss mitgeteilt.

Im Schützenhaus wird eine Großraumheizung eingebaut. U.a. können jetzt auch die Räumlichkeiten in den Wintermonaten von Firmen und Vereinen häufiger benutzt werden. In diesem Jahr dürfen die Schützendamen erstmalig auf die Königinnenscheibe schießen. Dieses Recht wird zunächst aber nur den Ehefrauen der Schützenmitglieder zugestanden, nicht jedoch deren Töchtern.

Das Jahr 1959 steht ganz im Zeichen der Vorbereitungen der Festlichkeiten im Jubiläumsjahr 1960. Auf Anregung des ehemaligen städtischen Archivleiters Heinrich Meyer und des Bayerischen Staatsarchives, München verbringt die Schützengesellschaft am 14.3.1959 das gesamte vorhandene Gesellschaftsarchivmaterial in das Stadtarchiv Lichtenfels, wo es sicher verwahrt wird. Die Übergabe erfolgt mit einem Verzeichnis über den Archivbestand, das laufend ergänzt wird. Das Archivmaterial bleibt Eigentum der Schützengesellschaft und darf ohne Zustimmung der Gesellschaft nicht anderweitig verlagert werden, ein Rücknahmerecht ist gewahrt.

Der Kampf um den Namen geht weiter. Das Amtsgericht hatte in einem Schreiben vom 27.11.1958 gedroht, die Gesellschaft im Vereinsregister zu löschen, falls man auf den Zusatz „Privilegiert“ bestehen sollte. Die Generalversammlung beschließt, gegen den Bescheid des Amtsgerichtes Widerspruch zu erheben. Mit Erfolg !
Das Bayerische Oberste Landesgericht beschließt am 14.8.1959:
1. der Beschluss des Landesgericht Coburg vom 22.5.1959 und der Beschluss des Amtsgerichts Lichtenfels vom 13.4.1959 werden aufgehoben.
2. der Widerspruch der Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels e.V. gegen ihre vom Registergericht beabsichtigte Löschung im Vereinsregister ist begründet.
Eine Änderung des alten Rechtszustandes könnte nur erfolgen, wenn die Verwaltungsbehörde die Privilegien entziehen oder die Gesellschaft auf diese verzichten würde. Das ist nicht der Fall. Inzwischen hat das Bayerische Staatsministerium des Innern die Gesellschaft aufgefordert, die Verleihung der Korporationsrechte nachzuweisen. Es ist anzunehmen, dass dieser Beschluss des Landgerichtes weitere Verfahren nach sich zieht, deshalb bereitet das Innenministerium eine Grundsatzentscheidung über den Rechtsstand der Privil. Scharfschützengesellschaften in Bayern vor.

1960biergarten11960 ist ein weiterer Markstein der Geschichte der Gesellschaft. Drei Jahre dauerten die umfangreichen Vorbereitungen, um die 150 jährige Wiedergründung der Gesellschaft würdig begehen zu können. Die neue Schießanlage wird am 30.4. eingeweiht. Sie umfasst 13 Stände für Luftgewehr, 4 Kleinkaliberstände 50 m, 3 Großkaliberstände 100 m, und 1 Pistolenstand 25 m. Die Anlage zählt zu den schönsten und modernsten Anlagen Oberfrankens. Ein besonderer Dank geht bei der Einweihung an Adolf Söllner, dessen Hilfestellung die Errichtung der Anlage erst ermöglichte. Auch das Innere des Schützenhauses wird renoviert. Das Schützenfest beginnt bereits am Freitag mit dem Bieranstich durch den Ersten Bürgermeister der Stadt Lichtenfels und wird somit auf 10 Tage ausgedehnt. Am Vorabend bieten die Schützen der Bevölkerung auf dem Marktplatz eine Serenade mit der Kapelle Blum und dem Schneyer Spielmannszug, welche sehr viel Beifall findet. Der Stadtarchivar, Heinrich Meyer, schreibt eine Chronik des Lichtenfelser Schützenwesens, in welcher der Lichtenfelser Schießsport und das gesellschaftliche Leben durch Jahrhunderte hinweg aufgezeichnet wird. In meisterhafter Weise löste Heinrich Meyer die nicht alltägliche Aufgabe, den Lichtenfelser Schießsport und das gesellschaftliche Leben durch die Jahrhunderte hinweg aufzuzeichnen. Fotos der Schützenkönige seit 1910 werden gesammelt und in einem Bild vereinigt. In diesem Jahr wird aus den ab 1910 gestifteten Münzen und Medaillen eine weitere Ehrenkette für den 2. Schützenmeister zusammengestellt. Sportlich ist dieses Hauptschießen ebenfalls sehr bemerkenswert: 501 Schützen kommen aus nah und fern nach Lichtenfels, ein Rekordergebnis! 

1961 werden erstmalig die Gaumeisterschaften in Lichtenfels ausgetragen, da nun alle Disziplinen durchgeführt werden können. Durch die Initiative des 1. Geschoßmeisters Rudolf Großmann und Herbert Lewandoske wird eine Pistolenmannschaft gebildet, die in Vergleichsschießen mit Coburg, Kronach und Bamberg bereits gute Erfolge erringen kann. 1960 Schtzenauszug2
Das Innenministerium hat eine grundsätzliche Entschließung über den Rechtsstand der "Privilegierten Schützengesellschaften" gefasst. Das Recht, die Bezeichnung "privilegiert" zu führen, kommt nur denjenigen Schützengesellschaften zu, die ihre Rechtspersönlichkeit vor dem Inkrafttreten des BGB durch Anerkennung der Schützenordnung vom 25. August 1868 erlangt und nicht durch ausdrückliche Entziehung das "Privileg" wieder verloren haben. Damit ist die Gesellschaft zur Führung des Namens " Königlich Privilegierte Scharfschützengesellschaft Lichtenfels" berechtigt. Das Innerministerium wird den einzelnen Gesellschaften eine den heutigen Verhältnissen angepasste Satzung vorschlagen.

1962 findet die Gauversammlung zum 10-jährigen Gründungsjubiläum wieder im Lichtenfelser Schützenhaus-Saal statt. Über 400 Schützen aus Coburg, Neustadt, Lichtenfels, Staffelstein, Kronach und Ludwigsstadt sind anwesend. Der Bezirksschützenmeister erinnert an das erste Gauschießen im Lichtenfelser Bergschloss, aus dem heraus sich erst allmählich der präzisere Sport entwickelte. Überall entstanden wieder Schützengesellschaften, die ein Stück Heimat verkörpern und aus der Überlieferung der Zünfte und Gilden heraus die Pflege des Schießsportes weitertragen…. Der Gau-Schützenbund zählt 2.479 Mitglieder in 49 Vereinen.

Am 29.5.1963 wird die Eintragung der Gesellschaft aus dem Vereinsregister gelöscht.

1964 muss der Kinderfestzug wegen Verkehrsbeschränkungen (Brückenbau und Grabarbeiten) ausfallen. Die Veranstaltung für die Kinder vor dem Schützenhaus (Klettern, Spiele, Ausgabe von Freikarten und Gutscheinen) kann kein voller Ausgleich sein.

1967 werden zwei neue KK-Stände gebaut. In der Ausschuss-Sitzung vom 28.6. stellt 1. Geschossmeister Rudolf Großmann den Antrag, dass das hinter den 100m Ständen brachliegende Gelände für eine Pistolen-Schießanlage vorgesehen wird. Der Antrag wird genehmigt, eine detaillierte Planung soll durchgeführt werden. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 16.9. stellt Rudolf Großmann den Antrag, das Königsschießen mit dem Kleinkaliber durchzuführen. Erstens um ein vorzeitiges Bekanntwerden des Königs zu verhindern und zweitens sei es für eine Scharfschützengesellschaft nicht vereinbar, dass sie ihren König mit einem Luftgewehr ermittle. Die Abstimmung ergab 36 dafür, 8 dagegen und 4 Enthaltungen. Am Heilig Abend werden die Schießstände von einem Hochwasser heimgesucht; die Schießanlage wird in einer Höhe von 2,70m überflutet und dadurch die gesamte KK-Anlage vernichtet.

1968 wird das Königsschießen erstmals mit dem Kleinkaliber auf 50m Entfernung durchgeführt, damit sollte das vorzeitige Bekanntwerden des Königs verhindert werden. Die Schusszahl ist noch unbeschränkt, bei zwei Kartentreffern muss das Schießen beendet werden. Der Bau des Pistolenstandes steht kurz vor dem Abschluss. Durch einen Zuschuss der Bayerischen Regierung, darf die Bayerische Landpolizei den Pistolenstand sowie den KK-Stand auf die Dauer von 10 Jahren kostenlos benutzen.

1969 beschließt die Generalversammlung am 8. März, die vom Bayerischen Innenministerium vorgeschlagene und vom Schützenmeisteramt in einigen Punkten geänderte Satzung anzunehmen. Am 5. Juli  erfolgt die Übergabe der neuen Anlage der Pistolenstände. 1. Geschoßmeister Rudolf Großmann stellt die erforderliche elektronische Steuerung kostenlos zur Verfügung. Das Polizeipräsidium München gibt einen finanziellen Zuschuss, da die Landespolizeiinspektion Lichtenfels die Anlage mitbenutzen kann. Auf die Königsscheibe dürfen jetzt nur noch zwei Schüsse abgegeben werden, zwei Scheibentreffer sind nicht mehr gefordert.