Chronik - Das Schützenfest im Wandel der Zeit

Das Lichtenfelser Schützen- und Volksfest

 

Den möglicherweise ersten Hinweis auf das Lichtenfelser Schützen- und Volksfest liefert ein Eintrag in die Archivunterlagen der Stadt Lichtenfels aus dem Jahr 1617:
 

Am 24. August 1617 haben Schützen und Schießgesellen um Intercessionen (Rücknahme) an Herrn Amtmann suppliciert (gebeten), damit sie der auferlegten 100 Gulden Strafe wegen abgenommenen Kleinods erlassen worden. (Die Schützen, die damals ihre Schießstätte noch im Gelände des alten Schlosses auf dem Burgberg unterhielten, scheinen über den Rahmen des eigentlichen Schießens hinaus eine volksfestartige Kirchweih (vermutlich das erste Lichtenfelser Schützenfest mit Volksfest) unbefugt aufgezogen zu haben. Die Strafe wurde scheinbar erlassen, da sich keine weiteren Aufzeichnungen finden lassen.) (Schlund, Chronik von Lichtenfels, 1940):

Der Ablauf der Schützenfeste während der letzten 200 Jahren bildet dagegen einen festen Bestandteil des Lichtenfelser Stadtgeschehens. Schon im Jahre 1811 widmete der Bamberger Gelehrte Jäck, ehemaliger Zisterzienser Mönch im Kloster Langheim, dem Lichtenfelser Freischießen hohes Lob.

Begeistert würdigte er die Gastfreundschaft der Schützen und die Schönheit des Festplatzes. Viele Lobredner folgten ihm seitdem. Über mehrere Kriege und schwere Notzeiten hinweg ist unser Lichtenfelser Schützenfest geblieben, was es von allem Anfang an war: der Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt.

Wie seit vielen Generationen wird auch heute noch „das Freischießen“ mit dem herkömmlichen Schützenauszug vom Rathaus zum Festplatz eingeleitet; Landrat und Bürgermeister an der Spitze.

Und wenn nach 10 bewegten Tagen und der Königsproklamation, die neuen Königshäuser mit ihren Königsketten und bunten Fahnen stolz stadteinwärts ziehen dann ist ganz Lichtenfels auf den Beinen.

Hat Stuttgart seine „Cannstatter Wasen“ und München das „Oktoberfest“, so besitzt Lichtenfels seinen prächtig gelegenen Schützenanger inmitten der Stadt, der nach Einbruch der Dunkelheit die Lichtreflexe der Fahrgeschäfte und die Silhouetten der alten Lindenbaumgruppen zu einer prächtigen Theaterkulisse werden lässt.

Die mächtigen Linden beschatteten schon zu Urgroßvaters Zeiten, als die alten Lichtenfelser Bürger mit karierten Hosen, Vatermördern, Bratenröcke und schweren Uhrketten an der geblümten Weste zur Freischießenszeit diesen Ort der Bierseligkeit zusteuerten und die Bürgerinnen und Bürgerstöchter in zartseidener Krinoline auf dem Tanzpodium sich der Köstlichkeiten des Rheinländers oder einer Polka widmeten. 1836 zum Beispiel gab eine englische Reitergesellschaft drei Vorstellungen, 1837 zog ein Wachsfigurenkabinett die Zuschauer an. Außerdem erbaute der Lichtenfelser Bürger Adam Behringer ein Karussell, damit auch die Jugend zu ihrem Recht kam. In diesem Jahr erhielt ferner das Schießhaus durch den Maurermeister Johann Pfrang einen neuen Anstrich; Kostenpunkt acht Gulden 24 Kreuzer. Der Schreinermeister Johann Siegelin in Schney musste für das Bildnis des bayerischen Königs einen kunstvollen, vergoldeten Rahmen für 13 Gulden herstellen, ein für damalige Verhältnisse ziemlich hoher Betrag. Das Fest fand schon damals einen großen Zulauf. Aus der Umgebung beteiligten sich die Schützengesellschaften aus Altenkunstadt, Coburg, Kronach, Scheßlitz, Staffelstein und Weismain. Auch das Freischießen von 1838 brachte gute Umsätze. Als Sonderheiten waren wieder ein Panorama und ein Wachsfigurenkabinett vertreten. 1839 beehrte sogar "Seine Exzellenz Herr Regierungspräsident Freiherr von Andrian" mit einigen Offizieren das Schießen.

Damals allerdings gab es noch keine elektrische Beleuchtung und keine Maschinen zum Antrieb von Volksbelustigungen. Die Kleinen saßen glücklich im Holzsattel eines Karussellpferdchens, die Größeren schwangen ihre Kraft in der Luftschaukel aus, das Kasperletheater war das Entzücken vom Zahn der Zeit noch nicht benagter Kinderherzen und wenn des Nachts drei von Petroleum erhellte Zuckerstände nebeneinander standen, wussten die vom Schützenplatz Heimkehrenden nicht, an welchem Stand sie „bei solcher Konkurrenz“ ihre Auswahl an Mitbringsel in Honigstangen, Pfeffernüssen oder gar feinen Makronenschnitten treffen sollten.

Schuetzenfest Gruss vom Freischiessen Lichtenfels Jahr 1900

Erst der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts brachte für die Schützen- und Volksfeste einschneidende Wandlungen durch die Einführung der Elektrizität. Schon vor dem ersten Weltkrieg wurden Schaubuden und Fahrgeschäfte prunkvoll beleuchtet. Mächtige Dampflokomobile lieferten den eigenen Strom für Berg- und Talbahnen, Teufelsräder und Achterbahnen. Damals gab es auch in Lichtenfels kein Schützenfest ohne „Lindners Kinematographen“, das „Theater lebender Photographien“, zu dem sich immer die Besucher drängten, weil es dieses Wunderwerk der Technik nur einmal im Jahr zu sehen gab. Um die Jahrhundertwende war bereits „Papa Schichtl“ bei uns in Franken nicht weniger als in seinem Wohnsitz München bekannt, dessen Varieté-Theater-Front mit antik stilisierter Dekoration und Säulenvorbauten allein die halbe Seite des Lichtenfelser Schützenplatzes einnahm. Schichtl war der Inbegriff und die Seele aller Schützenfeste. „Auf zum Schichtl!“ wurde zu einem Schlachtruf der Fidelitas, den man ausrief, wenn man den Tag mit einer Gaudi krönen wollte, die nicht ihresgleichen hatte. Viel Romantik dieser Zeit konnte sich in die ersten Schützenfeste nach dem zweiten Weltkrieg retten auch wenn Kettenflieger, Raketenfahrt zum Mond und die „Avusbahn“ das Hauptinteresse auf den Volksfesten für sich beanspruchten.Schuetzenfest Flugmaschine Huettemann Jahr 1912

Als nach Ende des 2.Weltkrieges auf dem Lichtenfelser Schützenplatz wieder ein großer Kettenflieger Klein und Groß  durch die Lüfte wirbelte und gleich einem längst vergessenen Märchen nach Jahren der Verdunkelung hunderte von elektrischen Lämpchen ihre friedlichen Kreise unter den Klängen der Musik zogen, erfühlte man so recht die Schrecklichkeit der jüngsten Vergangenheit und den Segen des Schweigens der Waffen. Doch war das Schützenfest noch lange nicht das was es heute ist.

Aus den relativ mageren Volksfesten der Nachkriegsjahre wurde in den 1950er Jahren erst langsam wieder das gute alte Freischießen, mit allem Drum und Dran, buntfarbigen Luftballons und Bratwürsten, abwechselungsreichen Schaustellerbetrieben, atemberaubenden Fahrgeschäften, überschäumenden Maßkrügen und zünftiger Biergarten Blasmusik. Von 1958 bis zur Eröffnung der Stadthalle im Jahr 1988 stand am Festplatz ein großes bayerisches Bierzelt, welches mit seinem schwingenden Holzboden eine ganz besondere Feststimmung brachte. Wenn sich auch in den letzten Jahrzehnten vieles gewandelt hat, waren die Verantwortlichen der Lichtenfelser Scharfschützengesellschaft sich immer bewusst, dass das was den Kern des „Lichtenfelser Schützen- und Volksfestes“ bildet, erhalten werden muss.

Doch was macht das Schützen- und Volksfest in Lichtenfels so unverwechselbar und einzigartig ? Was spielt sich für den Festplatzbesucher verborgen im Hintergrund ab, wird schon Monate vorher organisiert, wenn noch „fast“ niemand an die „10 bewegten Schützenfesttage“ denkt?

Die Schaustellerbetriebe

Ob Mandelbrenner, Fahrgeschäfts- oder Schießbudenbesitzer, Losverkäufer, Speisenversorger, alle sorgen dafür, dass die Festplatzbesucher 10 Tage ihr Vergnügen haben und der gesamte Vergnügungspark eine Einheit bildet. Das Lichtenfelser Schützenfest ist sehr beliebt bei den Schaustellern. Zum einen besteht ein eher familiäres Verhältnis als ein Schuetzenfest platz Jahr 2012geschäftliches zwischen den Schützen und den Schaustellern, zum anderen sind viele Betriebe schon seit Generationen auf dem Platz vertreten. „Wir sehen uns als Partner“ betont der Platzmeister. Dazu gehört auch der gemeinsame Frühschoppen an jedem Wochentag oder dass die Schausteller ihren eigenen König ausschießen. Bei der Auswahl der Betriebe achtet der Platzmeister darauf, dass diese sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen und der Festplatzbesucher einen ausgewogenen Mix von Fahr- und Essensgeschäften vorfindet. Die traditionelle Schaustellerbesprechung am Donnerstag vor dem Schützenfest dient dazu, dass sich Schützen wie Schausteller nochmals austauschen können und „Neulinge“ am Platz von den „alten Hasen“ brauchbare Tipps für die Volksfesttage bekommen.

Festzelt, Stadthalle und Biergarten

in der Zeit von  1958  bis  1987 stand das große „Bayerische Bierzelt am Festplatz. Schwingende Holzböden gehörten genauso dazu, wie die bangen Blick an die Zeltwände, wenn wieder einmal ein Sommergewitter und damit verbundener Wind über den Festplatz hinweg zogen. Seit 1988 gehört beides leider oder zu Glück der Vergangenheit an, denn mit der Stadthalle wurde für den Festplatz ein fester Bau geschaffen, welcher Besuchern, wie Musikkapellen Schutz vor Hitze oder Unwetter bietet. Auch der herrliche, schattenreiche Biergarten vor dem Schützenhaus, erhielt bereits im Jahre 1984 mit der Pergola eine nutzvolle Bereicherung die den Festplatzbesuch bei jedem Wetter ermöglicht. Doch wenn dies alles steht und die Gäste über den Festplatz schlendern, hatten schon viele fleißige Hände aus dem Schützenmeisteramt und vor allem der Platzmeister viele Wochen zu tun.Schuetzenfest platz Jahr Garten

Der Platzmeister

Das richtige Gespür für „angesagte“ Fahrgeschäfte und die anderen Schaustellerbetriebe braucht der Platzmeister. Aus über 200 Bewerbungen werden an die 50 Schaustellerbetriebe für ein Schützenfest ausgesucht. Stets bemüht Abwechslung auf den Platz zu bekommen muss er doch auf den richtigen Mix aus rasantem Vergnügen, “magenfreundlichen“ Karussells und kinderfreundlichem Spaß finden. Doch was wäre ein Festplatz ohne Schieß- und Losbuden, oder wer möchte auf Eis und gebrannte Mandeln verzichten? Bereits kurz nach dem Schützenfest erreichen ihn meist die ersten Bewerbungen für das nächste Jahr, obwohl erst im September in den zwei Schausteller-Zeitschriften „Komet“ und „Kirmes-Revue“ die Ausschreibungen veröffentlicht werden. Bis Oktober gehen die Bewerbungen ein, welche leicht 3 Aktenordner füllen. Aus diesen Bewerbungen werden in Zusammenarbeit mit den Platzmeistern in Coburg und Kronach im November der nächsten Festplatz zusammenstellt. Für viele Schausteller lohnt sich die Fahrt in die Korbstadt nämlich nur, wenn weitere Engagements in den benachbarten Städten folgen, denn die Kosten für Sondergenehmigungen und Diesel schlagen immer mehr zu Buche. Bis Januar sind die etwa 500 Frontmeter, die der Festplatz hergibt in der Regel verplant. Ganz turbulent wird es, wenn aus unterschiedlichsten Gründen ein Schaustellerbetrieb kurz vor dem Fest absagt – dann heißt es Nerven bewahren und „viel telefonieren“ um eine neue Besetzung zu finden. Oft ist zentimetergenaue Maßarbeit notwendig, damit die großen Fahrgeschäfte zwischen den mächtigen Bäumen und den Laternen Platz finden, „ohne exakten Plan wären wir verloren“. Kurz vor Beginn des Festes steht noch der Rundgang mit dem Platzkontrolleur des Landratsamtes an, welcher den Aufbau der Geschäfte und die Prüfbücher nachschaut. Auch die Aufstellung des Schützenfestzuges, mit der Einteilung der Vereine und Musikkapellen liegt in seinen Händen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Landratsamt und nicht zuletzt auch der Polizei gibt es immer einen sehr reibungslosen Ablauf.

Platzmeister der Gesellschaft seit 1948: 

  • 1951 bis 1967 Rudolf Langguth
  • 1968 bis 1970 Heinrich Sabisch
  • 1971 bis 1972 Erich Hanitzsch
  • 1973 bis 2000 Karl Molendo
  • 2001 bis 2013 Dieter Brandmeier

 Schuetzenfest Festplatz von oben Jahr 2007

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Festwirt

Für die Bewirtschaftung des Schützenhauses, des Biergartens und der Stadthalle ist seit 1988 der gleiche Wirt verantwortlich. Dies hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, denn egal wie das Wetter an den Festtagen spielt kann der Festwirt seine Bedienungen dorthin steuern wo diese gebraucht werden und hat auch kein all zu hohes finanzielles Risiko zu tragen wenn alle Tage schön oder verregnet sind. Seit dem Jahr 2000 ist Fritz Stahlmann Festwirt am Schützenfest. „Ein guter Festwirt muss sich unheimlich bemühen. Er muss präsent sein. Er muss ein Gespür für die Wünsche seiner Gäste haben, darf aber auch im Erfolg nicht abheben.“ Über 50 Mitarbeiter sind im Hax´n-Liebermann Stand, dem Schützengarten und der Stadthalle vertreten. Der Festwirt ist nicht nur Arbeitgeber, sondern organisiert auch das Unterhaltungsprogramm in der Stadthalle und zum Teil im Schützengarten. Sind die Schützen beim Musikprogramm eher der Tradition verhaftet, möchte der Festwirt möglichst immer den Zeitgeschmack treffen. Aber in Lichtenfels hat man sich auf eine gute Kombination geeinigt. Schließlich wollen die ca. 250.000 Besucher an den 10 Tagen abwechslungsreich unterhalten werden.

Im Jahr 2012 kostet eine Maß Bier am Festplatz 6,60 EURO.

Die Bierprobe des Schützenfestbieres

 Zum Endspurt der Vorbereitungen treffen sich die Schützen Ende Juni auf Einladung der Familie Leikeim in der Altenkunstadter Brauerei um bei einer zünftigen Brotzeit das extra eingebraute Schützenfestbier zu testen. Rund sieben Wochen dauert der Prozess des langsamen Ausreifens, der für den besonderen Geschmack von entscheidender Bedeutung ist. Damit niemand mit dem eigenen Auto „anreisen“ muss wird vom Schützenmeister der „Schützenfest-Express“ organisiert, zu welchem jeder Fahrgast seinen kleinen Beitrag leistet.

Pressekonferenz

Bereits einige Tage vor dem Fest lädt der Erste Schützenmeister sowie der Erste Platzmeister die Redakteure der regionalen Medien zu einer Pressekonferenz ein. Hier erfahren die Reporter alles zum aktuellen Fest- und Musikprogramm und vor allem auch zu den „Highlights“ am Festplatz.

Das Schützenfest-Programm

Schießen

Seit  2002 finden bereits in Juni Schießen zum Hauptschießen statt, welche mittlerweile auch sehr gut angenommen werden, denn der große Vorteil ist, dass der Schütze noch direkt vor der Schießanlage parken kann. Selbstverständlich kommt auch der Schießsport beim Schützenfest nicht zu kurz. In den zahlreichen Disziplinen werden die Besten mit Geldpreisen belohnt. Die schönsten Preise sind natürlich die Königsketten, die zum Abschluss der Festtage den zielsichersten Schützen umgehängt werden. Geschossen wird mit dem Luftgewehr, dem Kleinkaliber-Sportgewehr und der Sportpistole in elf verschiedenen Disziplinen. Der Sportleiter arbeitet zwei parallele Schießprogramme aus. Das eine für die Freihandschützen und das andere seniorengerecht mit aufgelegter Sportwaffe. Das Schießzentrum bietet zehn moderne Kleinkaliberstände mit elektrischen Scheibenzug-Anlagen. 20 Luftgewehrstände verfügen über eine elektronische „DisagOpticScore“ Auswertung. Fünf moderne Stände sind für die Sportpistolen reserviert. Die Königsscheibe ist selbstverständlich nur den Mitgliedern der Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft vorbehalten. Das Königsschießen der Herren wird auch im Jahr 2013 mit dem Kleinkaliber auf 50 m und bei den Damen und der Jugend mit dem Luftgewehr auf 10 m durchgeführt.

Musikplan

Der Schützenmeister zeichnet verantwortlich für die Musikkapellen im Biergarten vor dem Schützenhaus und der Festwirt ist für die Stadthalle und für den Tag der Betriebe (auch im Garten) zuständig. Ein wichtiger Punkt für den Einsatz der Musikkapellen ist auch die Teilnahme an den Festzüge, vor allem am Kinderfestzug am Donnerstag.

Ablauf des Festes: 

Donnerstag

Bereits 1960 zum 150 jährigen Gründungsjubiläum fand am Marktplatz ein festlicher Zapfenstreich statt und auch im Jubiläumsjahr 2013 findet der Auftakt zum traditionsreichen Fest bereits am Donnerstag statt. In der Stadthalle werden die „Zillertaler Schürzenjäger“ den Besuchern einheizen und im Biergarten der „Musikverein Hochstadt“


In den Jahren zwischen den Jubiläen begrüßt der 1.Platzmeister an diesem Tag die am Festplatz anwesenden Schausteller im Schützenhaus zur „Schaustellerbesprechung“. Hier werden nochmals die Richtlinien zum Festablauf bekanntgegeben, können Wünsche und Probleme besprochen werden und es wird eine Kontaktaufnahme unter den Schaustellern ermöglicht. Draußen, auf der Bühne im Biergarten, haben sich zu diesem Zeitpunkt schon einige Schützen zu einer gemütlichen Brotzeit niedergelassen und genießen die „Vorschützenfest Stimmung“. Der Ursprung dieser Brotzeit liegt in den 1980er Jahren, als sich Schausteller und Schützen am Donnerstag vor dem Fest in einem Fußballspiel gemessen haben. 

Freitag „Bieranstich mit Eröffnungsfeuerwerk“

Mit dem traditionellen Standkonzert am Marktplatz beginnt seit dem 150jährigen Gründungsjubiläum im Jahr 1960 das Lichtenfelser Schützen- und Volksfest. Bürger, Gäste und die gastgebenden Schützen werden seit 1989 vom „Durstlöschzug“ der Brauerei Leikeim zu einer kleinen Bierprobe eingeladen und genießen den kühlen Schluck Freibier und die Blasmusik vor dem Rathaus. Pünktlich um 19.30 Uhr fällt dann der Startschuss zum Brauerei- und Schützenauszug zum Anger. Vom Rathaus zum Schützenfestplatz führen das Schützenmeisteramt, der Erste Bürgermeister mit dem Stadtrat und die Vertreter der Brauerei an der Spitze den stolzen Festzug mit zünftiger Marschmusik durch die Coburger Straße. Überall winkende Menschen entlang des Weges und an den mit Fähnchen geschmückten Fenstern der Häuser. Noch üppiger ist der Empfang auf dem Schützenanger, der sich trotz der frühen Abendstunde immer schnell füllt. Auf der Musikbühne des Biergartens warten schon der Bierbock, das erste Bierfass und natürlich die Blasmusik. Nach alter Tradition darf der Bürgermeister, umgeben vom Schützenmeisteramt, Festwirt und den Brauerei Experten das erste Fass „anzapfen“. Der erste Schluck aus den Maßkrügen wird dann dem guten Festverlauf gewidmet. Sollte doch einmal das Wetter nicht mitspielen, wird der Bieranstich kurzer Hand in die Stadthalle verlegt. Bei Einbruch der Dunkelheit warten die Festplatzbesucher, jeder an „seiner“ ganz besonderen Stelle, auf das große Eröffnungs-Feuerwerk.

Samstag (seit 1950)

Am ersten Samstag eröffnet der Frühschoppen um 10.30 Uhr für Schausteller und Schützen das Schützenfest in der Pergola. Schausteller und Schützen bilden am Fest eine freundschaftliche Einheit und können sich beim Frühschoppen untereinander austauschen. Der Frühschoppen findet auch unter der Woche jeden Tag ab 10.30 Uhr statt. Am Abend herrscht auf dem gesamten Platz heftiges Treiben und im Biergarten bleibt kaum ein Platz leer.

Sonntag „Traditioneller Schützenzug seit 1811“

Mit dem traditionellen Schützenfestauszug beginnt das eigentliche Freischießen. Von 1811 bis 1949 war dies der erste Tag des Festes, der Freitag und Samstag kamen erst 1950 und 1960 dazu. Der Sonntag startet um 10.00 Uhr mit einem Standkonzert am Rathaus. Um 10.30 Uhr formiert sich vor der Volksschule in der Kronach Straße der große Umzug, mit zahlreichen Schützenvereinen aus der näheren und weiteren Umgebung, den örtlichen Vereinen und allen verfügbaren Blaskapellen. Der Festzug nimmt mit Tschingderassabum seinen Weg durch das Obere Tor zum Marktplatz hinunter, schwenkt beim Floriansbrunnen nach links ab Richtung Reitschgasse und dreht vor dieser zum Rathaus zurück. Hier begrüßen die Mitglieder der Lichtenfelser Scharfschützengesellschaft die Gäste mit starkem Beifall, bevor sie sich selbst mit den zahlreichen Ehrengästen, dem Stadtoberhaupt, Abgeordneten, Stadt- und Kreisräten sowie Vertretern der Brauerei, hinter dem letzten Schützenverein in den Zug einreihen um dann die festlich geschmückte Coburger Straße hinaus zum Festplatz zurückzulegen. Während die Fahnenträger nach dem „Einzug der Fahnen“ in der Festhalle Aufstellung nehmen geht die offizielle, feierliche Eröffnung durch den Ersten Schützenmeister und mit den Ansprachen der Ehrengäste über die Bühne. Den Abschluss bilden das Bayernlied und die Nationalhymne. Im Anschluss umrahmen Musikkapellen den Frühschoppen drinnen wie draußen im Biergarten. Vom 1983 bis 2004 fand am Sonntag Vormittag um 9.30 Uhr vor dem Festzug ein Konzert am Altenheim der Nordgauer-Stiftung statt, welches im Jahr 2005 auf den Donnerstag nach dem Kinderfestzug verlegt wurde. Der Grund lag vor allem darin, dass die Organisation des Festzuges immer größere Ausmaße annahm und für das morgendliche Konzert die Zeit sehr knapp bemessen war.

Die Teilnehmer im Festzug, hier als Beispiel aus dem Jahr 2012:

Blaskapelle Schwürbitz, Schützenjugend Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels mit der Bogenabteilung, Böllerschützenverein Zwiebeltreter Fähnlein Bamberg, Scharfschützengesellschaft Bad Staffelstein-Ebensfeld, Korbstadtkönigin und Ehrengäste, Zimmerstutzen Schützengesellschaft Lichtenfels, Kehlbachtaler Blasmusik, Schützengesellschaft Coburg, Schützenverein Grub am Forst, Privilegierte Schützengesellschaft Neustadt b. Coburg, Zimmerstutzen Schützengesellschaft Schwürbitz, Leuchsentaler Blasmusik, Schützengesellschaft Kronach, Freihandschützenverein Bad Staffelstein, Schützengesellschaft Redwitz, Schützengesellschaft Marktzeuln, Musikverein Marktzeuln, Zimmerstutzen Schützengesellschaft Schney, Soldatenkameradschaft Mistelfeld, Soldatenkameradschaft Kösten, Musikverein Hochstadt, Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels, Trachtenverein D´Werdenfelser, Blaskapelle Burgkunstadt, Athletenclub Lichtenfels, 1.FC Lichtenfels, Pfadfinderschaft St. Georg Lichtenfels, Spielmannszug Lichtenfels der Ritterschaft Andechs-Meran, Turnerschaft Lichtenfels.

Montag „Tag der behinderten Kinder“ 

Seit 1974 laden engagierte Schützenmitglieder jedes Jahr die behinderten Kinder zu einem rund dreistündigen Bummel mit „allem Drum und Dran“ über den Festplatz ein. Sie begleiten die Kinder und Jugendlichen mit ihren Betreuern zu den verschiedenen Fahrgeschäften an welchen sie von den Schaustellern herzlich begrüßt und zu kostenlosen Fahrten eingeladen werden. Im Anschluss dürfen sich die Mädchen und Jungen mit Limo, Bratwürsten, Eis und anderen Süßigkeiten stärken. 

Am Montag Abend treffen sich die Lichtenfelser Schützendamen traditionell in der Pergola am Schützengarten zu einem gemütlichen Beisammensein.

Dienstag  „Familien Nachmittag“

Der Familientag welcher seit 1996 mit ermäßigten Preisen an den Fahr- und Verkaufsgeschäften angeboten wird, hat sich in den Jahren zu einem attraktiven Nachmittag entwickelt. Die Besucher können für weniger Geld mehr Spaß erleben und für die Schausteller wurde ein „lauer“ Tag belebt.

Am Abend lädt der Festwirt die Mitarbeiter der regionalen Medien zum „Pressestammtisch“. In der Pergola wird dann „aufgetafelt“ was der Festplatz alles so bietet. Vom Haxen, übers Brathähnchen, Bratwürste, Steaks und Schaschlik, zum Nachtisch die Früchtespieße der Firma Früchte-Krug und zu später Stunde darf auch Käse und das eine oder andere Fischbrötchen nicht fehlen, dazu natürlich das Festbier als „Schnitt“ damit es auch immer frisch bleibt, abgerundet mit den guten Schützenfest Brezen. So haben auch die „Berichterstatter der Woche“ einen Tag an welchem sie das Schützenfest mal richtig genießen dürfen.

Mittwoch  „Tag der Betriebe“

Seit 1989 steht dieser Tag ganz in Zeichen „der Betriebe“. Mit fetziger Musik im Biergarten, sollen Mitarbeiter von heimischen Betrieben und Ämtern den Abend zu einer geselligen Runde auf dem Festplatz nutzen. Für größere Gruppen gibt es Tischreservierungen sowie Mengenrabatt auf Bratwürste, Steaks, Schaschlik oder wonach man sonst Appetit hat.

Donnerstag  „Tag der Kinder“

Seit 1927 gehört dieser Tag den jüngsten Schützenfest-Fans. Bereits im Jahr 1872 fand erstmalig ein „Tag der Kinder“ statt, Anlass war die Setzung eines Kriegsgedenksteines in den Burgberganlagen durch die Stadt.  Vorarbeiten für diesen Tag leisten die Lehrerschaft und die Erzieher mit den Kindern der teilnehmenden Einrichtungen. Dem Engagement der Schulen, der Kindergärten und vor allem auch der finanziellen Unterstützung der Stadt Lichtenfels und ortsansässigen Firmen verdankt es Lichtenfels, dass diese schöne Tradition aufrechterhalten werden kann. Alle Organisatoren dieser bunten Kostümparade verdienen hohe Anerkennung, nehmen an diesem Tag doch über 2.000 Kinder am Festzug teil. Die Aufstellung des Zuges findet im Bereich der Gabelsberger Straße statt, von hier geht der bunte Zug durch die Kronacher Straße, über den Marktplatz und entlang der Coburger Straße zum Festplatz. Im Anschluss an den Kinderfestzug statten die Schützen mit einer großen Delegation den Bewohnern des Altenheims der „Maiacher Stiftung“ einen Besuch ab. Neben frischen Schützenfest Brezen bringen sie auch musikalische Grüße zu den Senioren.

Freitag

Wenn das Schützenfest mit Beginn des zweiten Wochenendes langsam seinem Ende und Höhepunkt zustrebt, herrscht noch einmal Hochbetrieb auf dem Anger. Dieser Tag wird immer ein ausgedehnter Schützenfestabend, zumal niemand das Brillant-Hochfeuerwerk nach Einbruch der Dunkelheit verpassen will.

Samstag „Proklamation des Schaustellerkönigs“

Seit vielen Jahren verbindet die Schausteller des Schützen- und Volksfestes mit der Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft ein richtig familiäres Verhältnis. So hat das Schaustellerschießen im Festprogramm seit 1976 seinen festen Platz und seit dem Jahr 1982 gibt es auch einen Schausteller König. Höhepunkt ist die Proklamation des Königs und seiner beiden Ritter anlässlich des Frühschoppens am zweiten Schützenfest Samstag. Bei einem fröhlichen Umtrunk mit dem neuen Königshaus bleiben einige Schützen und Schausteller noch teils bis weit in den Abend sitzen und kommen so, oft bewusst, manchmal sehr überraschend in den Genuss Gewinner des “Hockerpokals“ zu werden. „Beim ersten Mal eine Ehre, beim zweiten Mal eine Schande“.

Sonntag „Königsproklamation“

Seit 2006 wird der letzte Schützenfesttag mit einem Gottesdienst des Schausteller-Pfarrers in der Pergola und anschließendem Frühschoppenkonzert begrüßt.

Für die Sportschützen beginnt um 18.00 Uhr das spannende Finale: Die Preisverteilung und die Proklamation der neuen Königshäuser. Die Musik spielt im Saal den Präsentiermarsch zu welchem die bisherigen Königshäuser, die Mitglieder des Schützenmeisteramtes und die Fahnenträger zur Bühne im Schützenhaus schreiten. Nach einer kurzen Ansprache durch den Ersten Schützenmeister, wartet alles gespannt auf die Namen der neuen Königshäuser. Wie in keiner anderen Schützengesellschaft wird das Geheimnis in Lichtenfels bis zuletzt gewahrt. Nichts, aber auch gar nichts sickert vor der Preisverteilung durch. Nach dem Umlegen der Königsketten formieren sich die Schützen draußen auf der Festplatzstraße zum Rückzug. Viele Menschen stehen an den Straßen Spalier um die neuen Majestäten zu sehen. Mit Blumensträußchen und viel Beifall ziehen die Schützen mit ihren bunten Fähnchen zum Rathaus und von dort nach einem kleinem Umtrunk zurück zum Festplatz, wo noch eine lange Schützennacht in der reservierten Pergola und dem dahinter liegenden Innenhof bevor steht. Die Königshäuser erhalten die Ehre auf der Musikbühne einen Marsch nach Wunsch zu dirigieren. Seit 2003 findet an diesem Abend auch die Proklamation der Damenkönigin statt. Ab 23.00 Uhr beginnen dann schon die ersten Arbeiter mit dem Abbau der Schaustellerbetriebe und am Dienstag ist vom Lichtenfelser Schützen- und Volksfest nicht mehr viel zu sehen.

Schützenfest-Express

Mit dem „Schützenfest-Express“ wird seit 2001 den Schützenfestbesuchern im Landkreis die Möglichkeit geboten das Fest sicher und günstig zu besuchen – ca. 3.000 Besucher nutzen dieses Angebot jedes Jahr. Die ersten Sponsoren waren damals die Stadt Lichtenfels, die Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft, die Brauerei Leikeim, die Firma Hax´n Liebermann, die Stadtwerke Lichtenfels und das Obermain-Tagblatt, heute unterstützen 25 Firmen das Projekt. Um die organisatorischen Belange der Buslinie kümmern sich die Stadtwerke. Alle drei eingesetzten Busse sind absenkbar. So können auch Rollstuhlfahrer, Nutzer von Rollatoren und Familien mit Kinderwagen leicht einsteigen, aber auch Gehbehinderte wissen dies zu schätzen. Der Schützenfest-Express ist kein finanzieller Gewinn, meist ist die Bilanz leicht negativ, aber trotzdem wollen die Sponsoren an der Einrichtung festhalten.

Dies alles bildet die Grundlage für ein unvergessliche Schützenfesterlebnis in Lichtenfels

und wie bei jedem guten Menü kommt es nicht nur auf die „Zutaten“ an,

sondern darauf, diese im richtigen Mischungsverhältnis, mit viele Liebe und Geduld und auf der richtigen Flamme zuzubereiten..

 

...das ist das Geheimnis des „Lichtenfelser Schützen- und Volksfestes“.