Chronik - Die Schützenfahnen

Die Schützenfahnen

Was wären Feste, Umzüge und öffentliche Veranstaltungen ohne die prächtigen Fahnen der Vereine, die den Ort des Geschehens in ein buntes Farbenmeer verwandeln?

Mit Wappen und Sinnbild

Eine Fahne ist in ihrer ursprünglichen Bedeutung ein ein- oder mehrfarbiges, meist mit Wappen und Sinnbildern ausgestattetes Tuch, das symbolisch Menschen zur Treue verpflichtet. Als Feldzeichen wurde sie schon im Altertum benutzt. Im Abendland hielt sie im 9.Jahrhundert Einzug. Eine sehr lange Tradition hat die Fahne auch im Vereinswesen. Früher schworen Mitglieder vor ihrer Aufnahme über der Vereinsfahne Treue. Der modernen Zeit angepasst, ist sie heute eher zu einer Art Erkennungszeichen für einen Verband geworden. Dennoch darf auch heutzutage die Vereinsfahne bei bedeutenden öffentlichen und internen Anlässen nicht fehlen. Zu einer Fahne gehören in der Regel Fahnenbänder, die an der Spitze der Tragestange befestigt werden. Es ist ein alter Brauch, dass Bänder von Mitgliedern und befreundeten Gruppen gestiftet werden. Jedes Band trägt zur Erinnerung den Namen des Spenders.

Die "unbekannte" Fahne

Im Jahr 1726 wird im Inventar der Lichtenfelser Stadtpfarrkirche unter den aufbewahrten Fahnen auch die "Jägerfahn" genannt, gemeint war damit vermutlich die "Schützenfahne". In späteren Inventarlisten wird diese nicht mehr aufgeführt, vermutlich ist diese verloren gegangen.

Die erste Schützenfahne 1810

Wann die erste Schützenfahne beschafft wurde, ist aus den vorhandenen Archivalien nicht zu ersehen. Vermutlich war sie aber schon in den Gründungsjahren um 1810/11 vorhanden. Von Ihrem Aussehen ist uns leider nichts bekannt. Den einzigen Hinweis finden wir im "Lichtenfelser Tagblatt" Nr. 146 vom 25. Juni 1869, hier machten sich mehrere Schützenmitglieder öffentlich zu eigen auf den unwürdigen Zustand der Schützenfahne hinzuweisen: 

"wie lustig knallen Büchsen und Böller und nur eines ist, was zur Sache nicht und nimmer harmonieren will - die Fahne nämlich. Dies bescheidene Blau und Silber gestickte Fähnlein entspricht wahrlich nicht der Größe der hiesigen Schützengilde sowohl, als auch den Leistungen, welche von dieser Gesellschaft in letzter Zeit geschehen sind und unwillkürlich muss hier einem jeden der Wunsch aufdrängen, dass es Aufgabe der nächsten Zeit sein möge, diesen Umstand zu beseitigen und an die Beschaffung eines den jetzigen Verhältnissen der hiesigen Schützengesellschaft entsprechenden Banners zu denken."

Die zweite Schützenfahne 1869

Da ihr Äußeres sehr bescheiden war, wurde im Jahre 1869 der Wunsch nach einem neuen Banner laut.

Am 19.September 1869 trat die ganze Stadt dann zur Weihe der Schützenfahne an. Schützenmeister Hofmann sprach allen Frauen und Jungfrauen, welche die Schützengesellschaft mit diesem herrlichen und kostbaren Geschenk beehrten und allen Denen, welche zur Ausführung dieses schönen Werkes mitgewirkt haben, Namens der Gesellschaft seinen Dank aus und betonte hierbei insbesondere, dass dadurch einem schon seit langer Zeit gehegten Lieblingswunsche endlich einmal, und zwar in glanzvoller Weise Rechnung getragen worden sei.
Die eine Seite der Fahne trage das Weiße der Unschuld, weshalb sie auch rein und makellos erhalten bleibe, während das Grün der anderen Seite, als Symbol der Hoffnung, zu jeder Zeit daran erinnern soll, Hand in Hand zu gehen zur Kräftigung und Erstärkung des Vereins, damit auch spätere Zeiten den Dank noch bekunden können, der unseren holden Spenderinnen gebührt. Er schloss auf das Gelingen dieser Wünsche mit einem dreifachen Hoch auf die Schützengesellschaft.
An der Weihe selber nahmen 23 Ehrenjungfrauen teil. Der Turnverein war 50 Mann stark, die Feuerwehr mit 25 Mann zur Stelle. Der Kaufmann Gottfried Gagel trug die alte Schützenfahne im Festzug mit. Bereits in den 1880er Jahren muss die Fahne zum ersten mal von den Lichtenfelser Schulschwestern repariert werden. 1905 muss die Schützenfahne nochmals gründlich instandgesetzt werden. Abermals springen die Schulschwestern hilfsbereit zur Beseitigung der aufgetretenen Altersschäden ein. Im Jahr 2010 erfolgt dann eine umfangreiche Restaurierung der altehrwürdigen Fahne, welche ausschließlich durch die Spenden von vielen Mitgliedern ermöglicht wird.

Fahne alt Vorderseite

Fahne alt Rckseite

Die Dritte Schützenfahne 1975

Nachdem die "altersschwache" Traditionsfahne von 1869 bei den Umzügen nicht mehr mitgeführt werden stiftet das langjährige Ausschussmitglied und ehemaliger Bürgermeister Dr. Baptist Hofmann eine neue Schützenfahne. Sie wird im Rahmen einer Feierstunde, am Schützenfest, am 12. Juli 1975 im Rathaussaal von Dekan Höfinger, Pfarrer Raum und Vikar Pertram geweiht und der Gesellschaft übergeben.
Dr. Baptist Hofmann erhält im Rahmen der Generalversammlung 1976 die Ehrenmitgliedschaft in der Schützengesellschaft, nachdem er mehr als 30 Jahre aktiv im Ausschuss tätig war und sich nach 1945 sehr intensiv für die Belage der Gesellschaft eingesetzt hat, als es galt den ehrwürdigen Namen „königlich privilegierte“ wieder zu erlangen.
Der Stifter unserer Fahne sprach in seiner Festrede das aus, was auch für uns heute gelten soll: „Unter der neu erworbenen Fahne wird die hohe Tradition der Scharfschützengesellschaft fortgesetzt. Die Fahne wird für die aktiven Schützen nicht nur nicht nur Begeisterung für die edle Schützensache entfachen, sondern auch Ansporn sein, den Schießsport weiter zu pflegen. Alle Mitglieder werden aber bestrebt sein, das hohe Ansehen und den guten Ruf, den die Schützengesellschaft schießsportlich über Lichtenfels und Umgebung weit hinaus besitzt, zu erhalten.“

Fahne neu Vorderseite

Fahne neu Rckseite

( Dr. Baptist Hofmann erhielt für sein mutiges Eingreifen zur Rettung der Stadt bei Kriegsende 1945, am 22.Dezember 1959 die Ehrenmedaille von Lichtenfels.Damals im April 1945 entging Lichtenfels um Haaresbreite einer Katastrophe. Amerikanische Bomber waren bereits unterwegs, um die Stadt in Schutt und Asche zu legen, die ersten Panzergranaten schlugen in den Turm der Stadtkirche, der Obere Turm erhielt drei Volltreffer, 15 Häuser wurden zum Teil schwer beschädigt und auch auf dem Marktplatz explodierte eine Granate und zerstörte die Rathaustür. Baptist Hofmann nach schwerer Verwundung 1941 aus dem Heeresdienst entlassen und seit 1942 stellvertretender Bürgermeister übergab am 12.4.45 die Stadt an die Amerikaner der 11th Armored Division.)